Eine abgelehnte Anzeige ist Alltag, dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben. Eine Kontosperrung ist eine andere Größenordnung: Alle Kampagnen stehen, die Anfragen brechen von einem Tag auf den anderen weg, und die Begründung in der Mail klingt, als hätten Sie etwas Kriminelles getan. Gerade im Gesundheitsbereich trifft es auch Praxen, die nie bewusst getrickst haben.

Warum Konten gesperrt werden

Die häufigsten Sperrgründe bei Praxiskonten sind schnell aufgezählt. Ganz vorn stehen Verstöße gegen die Gesundheitsrichtlinien, etwa wenn Anzeigen oder Zielseiten verschreibungspflichtige Präparate bewerben oder Formulierungen enthalten, die Google als unzulässige Heilversprechen liest. Dazu kommen Zahlungsprobleme, eine geplatzte Abbuchung reicht manchmal schon, und der gefürchtete Sammelgrund „Umgehung der Systeme", der greift, wenn Google den Eindruck hat, jemand wolle eine frühere Ablehnung oder Sperre austricksen.

Wichtig zu wissen: Google sperrt zunehmend automatisiert und im Zweifel erst einmal großzügig. Eine Sperrung ist deshalb kein Schuldspruch, sondern der Beginn eines Prüfverfahrens, und genau so sollten Sie sie behandeln.

Der eine Fehler, der alles dauerhaft macht

Der verständlichste Impuls ist zugleich der schlimmste: einfach ein neues Konto eröffnen und weitermachen. Tun Sie das nicht. Google verknüpft Konten über Zahlungsdaten, Domains und weitere Signale. Ein Ausweichkonto wird als Umgehung der Sperrung gewertet, und genau dieser Tatbestand führt zu dauerhaften Sperren, die dann auch das neue Konto, die Domain und künftige Konten treffen können. Aus einem lösbaren Problem wird so ein dauerhaftes.

Der saubere Weg zurück

Zuerst die Begründung genau lesen, sie steht im Konto und in der Mail, und ehrlich prüfen, was dran ist. Liegt ein echter Verstoß vor, etwa ein Präparatname auf der Zielseite, beheben Sie ihn vor dem Einspruch, nicht danach. Dann den offiziellen Einspruch über das Formular im Konto stellen, sachlich, konkret, mit Beschreibung dessen, was geändert wurde. Pauschale Beteuerungen helfen nicht, nachvollziehbare Korrekturen schon. Danach heißt es warten, die Bearbeitung dauert erfahrungsgemäß Tage bis Wochen, und wiederholte inhaltsgleiche Einsprüche beschleunigen nichts.

Parallel lohnt der Blick auf die Zahlungsseite: hinterlegte Karte gültig, Rechnungsdaten vollständig, keine offenen Beträge. Zahlungsbedingte Sperren lösen sich oft am schnellsten.

Vorbeugen ist einfacher als Entsperren

Die beste Versicherung gegen Sperrungen ist ein Konto ohne Grauzonen: Zielseiten ohne verschreibungspflichtige Präparatnamen, Anzeigentexte ohne Erfolgsversprechen, saubere Zahlungsdaten und keine Tricks, auch keine kleinen. Ein über Jahre sauber geführtes Konto mit Historie ist zudem robuster als ein frisches, was ganz nebenbei ein gutes Argument dafür ist, das Konto der Praxis pfleglich zu behandeln statt für jede Kampagne neu anzufangen.

Ein gesperrtes Konto ist ärgerlich, aber reparabel. Ein umgangenes Konto ist es meistens nicht mehr. Der langsame, offizielle Weg ist hier tatsächlich der schnellste.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Formulierungen auf Ihrer Zielseite das Risiko sind, lohnt der Abgleich mit den Regeln aus dem Beitrag über HWG-konforme Werbung. Und wer die Kampagnenführung ganz abgeben möchte, inklusive der Richtlinien-Sorgfalt, findet hier meinen Ansatz.